Säure-Basen-Regulation im funktionellen Kontext
Im menschlichen Stoffwechsel entstehen kontinuierlich Säuren – insbesondere im Rahmen der Energiegewinnung. Das ist ein völlig normaler und notwendiger Prozess. Gleichzeitig gibt es im Körper Bereiche, die bewusst sauer sein müssen, etwa der Magen oder bestimmte Schleimhautmilieus.
Ein gesunder Organismus verfügt über leistungsfähige Puffersysteme, um diese Säuren zu neutralisieren und auszuscheiden. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner pH-Wert, sondern die Regulationsfähigkeit des Gesamtsystems.
Säure-Basen-Haushalt und Stoffwechsel
Die Neutralisation und Ausscheidung von Säuren erfolgt über mehrere Wege:
- Atmung (CO₂-Abatmung)
- Nieren und Darm
- Haut
- Muskelarbeit und Durchblutung
Besonders wichtig sind dabei:
- eine aktive Muskulatur und regelmäßige Bewegung
- eine gute mitochondriale Energieproduktion
- ausreichend verfügbare Aminosäuren und Mineralstoffe
- eine stabile Durchblutung und Sauerstoffversorgung
Eine verminderte Regulationsfähigkeit kann weniger mit einer „Übersäuerung“ im klassischen Sinne zu tun haben, sondern vielmehr mit Bewegungsmangel, chronischem Stress, Entzündungen, Mitochondrienbelastung oder Nährstoffdefiziten.
Zur Einordnung klassischer Säure-Basen-Konzepte
Der pH-Wert des Blutes wird auch bei chronischen Beschwerden in der Regel stabil gehalten. Veränderungen betreffen eher das Gewebe und den Zellstoffwechsel – nicht das Blut selbst. Urin-pH-Messungen liefern dabei nur sehr eingeschränkte Informationen und sind stark von Ernährung, Tageszeit und Ausscheidungsmechanismen abhängig.
In der funktionellen Medizin wird der Säure-Basen-Haushalt daher nicht isoliert diagnostiziert, sondern im Zusammenhang mit Stoffwechsel, Energiehaushalt, Muskelaktivität, Stressregulation und Mikronährstoffversorgung betrachtet.
Therapeutischer Fokus
Im Mittelpunkt stehen keine pauschalen „Entsäuerungsprogramme“, sondern die Unterstützung der natürlichen Regulationsmechanismen, unter anderem durch:
- regelmäßige Bewegung und Muskelaktivierung
- ausreichende Eiweiß- und Aminosäurenzufuhr
- mineralstoffreiche, entzündungsarme Ernährung
- Verbesserung der mitochondrialen Funktion
- Stressreduktion und Atemregulation
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr
Basische Präparate können in Einzelfällen unterstützend eingesetzt werden, stehen jedoch nicht im Zentrum der Therapie.
Ziel ist eine belastbare Stoffwechsel- und Regulationsfähigkeit – nicht die kurzfristige Verschiebung eines pH-Wertes.